Private Equity in der Krise ? Die Auswirkungen des Coronavirus – Teil 2: Portfoliounternehmen

Die Auswirkungen des Coronavirus sind mittlerweile in jeder Branche spürbar. Abgesehen von einigen wenigen Krisengewinnern haben die meisten Unternehmen im deutschen Mittelstand mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, deren Dauer und Signifikanz sich nur schwer prognostizieren lässt. Daher müssen Unternehmer Maßnahmen zur Kostenkontrolle und Liquiditätssicherung identifizieren, analysieren und konsequent umsetzen.

Für Private Equity-Investoren stellt sich die Herausforderung, dass sich eine Ausnahmesituation wie die Ausbreitung des Coronavirus auf sämtliche Portfoliounternehmen auswirkt. Die zuvor genannte Maßnahmenplanung mit allen Unwägbarkeiten müssen Private Equity Fonds in mehreren, teils sehr unterschiedlichen Firmen durchsetzen.

Private Equity: mehr als nur Kapitalgeber

Auch für bisher wachstumsstarke Unternehmen stellt die derzeitige Situation eine enorme strukturelle und operationelle Herausforderung dar: Unternehmer und Geschäftsführer, die sich bislang mit neuen Produkten, der geographischen Expansion bzw. dem Aufbau des eigenen Teams beschäftigt haben, müssen sich plötzlich in einer Krisensituation bewähren.

Gerade hier können Private Equity-Investoren einen wichtigen Beitrag leisten, der über die reine Bereitstellung von Kapital hinausgeht. Investoren dienen als Sparrings-Partner für erarbeitete Maßnahmenkataloge und stellen zwischen den Management-Teams der einzelnen Portfoliounternehmen einen direkten Kontakt her, um Ideen und Erfahrungen auszutauschen. Private Equity Fonds können zudem Unterstützung durch externe Experten koordinieren, wie z.B. Unternehmensberater und Rechtsanwälte, um das zielgerichtete Krisenmanagement aktiv zu unterstützen.

Krisenmanagement auf Portfolioebene

Für die wirkungsvolle Umsetzung der Maßnahmen auf Portfolioebene, müssen Private Equity-Investoren zunächst die Ausgangspositionen der Portfoliounternehmen, insbesondere hinsichtlich verfügbarer Liquidität und künftiger Cashflows, analysieren. Diese Auswertungen sollten anschließend zumindest auf Wochenbasis wiederholt werden und in die Entscheidungsfindung einfließen.

Geplante Investitionen müssen auf ihre Validität in Krisenzeiten geprüft und ggf. an die veränderte Situation angepasst werden. Der Begriff „Investition“ ist dabei relativ weit zu fassen. Investoren und Unternehmer sollten Marketing-Ausgaben, Kosten für die Einstellung weiterer Mitarbeiter und ähnlich gelagerte Aufwendungen dabei ebenso einbeziehen, wie klassische CAPEX-Investitionen.

Grundsätzlich muss bei der entsprechenden Beurteilung zwischen kurzfristiger Sicherung der Unternehmenstätigkeit und der Möglichkeit, das Unternehmen bei Beendigung der Krise wieder auf einen Wachstumspfad zu führen, abgewogen werden. Bei relativ einfach skalierbaren Ausgaben, wie z.B. Marketing, empfiehlt sich generell zunächst eine Fokussierung auf die effizientesten Aktivitäten und starke Kürzung der anderen Aufwendungen, um Liquiditätsreserven zu schonen.

Bei Fixkosten ist der Handlungsspielraum im Krisenfall naturgemäß deutlich kleiner. Dies gilt insbesondere für Personalausgaben, die zumeist einen der größten Kostenblöcke darstellen und dementsprechend schnell in den Fokus von Sparmaßnahmen rücken. Temporäre Anpassungen, z.B. über das Anordnen von Urlaub und Kurzarbeit, eröffnen wichtige Einsparpotentiale, ohne das Unternehmen langfristig zu beeinträchtigen. Unternehmer sollten ein vorauseilendes „Cost-Slashing“ durch Mitarbeiterabbau aber vermieden. Gerade hier können die nachgelagerten Auswirkungen für Portfoliounternehmen verheerend sein.

Mitarbeiterabgänge müssen nach Bewältigung der Krise nicht nur kompensiert werden, was zu Recruiting- und Onboarding-Kosten führt. Auch der Knowhow-Verlust ist nicht ohne Weiteres zu auszugleichen, wenn sich die gesamtwirtschaftlichen Aussichten aufhellen und sich neue Chancen für die betreffenden Unternehmen ergeben.

Das Krisenmanagement auf Portfolioebene muss demnach neben diversen möglichen Szenarien auch die mittel- bis langfristigen Entwicklungsperspektiven des einzelnen Unternehmens berücksichtigen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Private Equity-Investoren und Portfoliounternehmen ist folgerichtig entscheidend, um die derzeitige Situation nicht nur zu bewältigen, sondern auch künftige Wertsteigerungspotentiale zu erhalten. Ein entsprechend ausgerichtetes, überzeugendes Krisenmanagement sendet zudem ein starkes Signal an die Kapitalgeber des Private Equity-Funds selbst.

Mit der richtigen Kommunikation der aufgezeigten Sachverhalte in Richtung der Limited Partner beschäftigen wir uns in unserem nächsten Blogartikel.

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