Fundraising Private Equity

Private Equity in der Krise? Die Auswirkungen des Coronavirus – Teil 1: Fundraising

Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff, mit weitreichenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Gewohnte Abläufe werden auf den Prüfstand gestellt, Alternativen zu etablierten Prozessen sind unausweichlich. Die Angst vor Versorgungsengpässen führt zu Hamsterkäufen, Ländergrenzen werden abgeriegelt und die Wirtschaft kommt, zumindest in Teilen, zum Erliegen – mit verheerenden Folgen für die gesamte Gesellschaft.

Korrelation zwischen Aktienmärkten und Private Equity Investments

Die globalen Finanzmärkte haben zunächst kaum, dann aber umso stärker auf die Ausbreitung des Virus reagiert. Im Laufe der vergangenen Tage verbuchte der DAX den größten Intraday-Kursverlust von -12,4%, und das nur drei Tage nachdem der Deutsche Leitindex den bis dahin größten Tagesverlust von -7,9% innerhalb der letzten Jahrzehnte verzeichnete. Investoren – ob institutionell oder privat – müssen sich damit arrangieren. Kurzfristig steht für die Akteure am Kapitalmarkt vor allem die Sicherung des eingesetzten Kapitals im Vordergrund: das Anlegen von liquiden Mitteln mit größtmöglicher Sicherheit, auch wenn damit keine oder sogar eine negative Renditeerwartung einhergeht.

Damit ist mit einem Rückgang der Investitionen in vergleichsweise illiquide und langfristig ausgerichtete Anlageformen, wie Private Equity, zu rechnen. Statistiken über Fundraising-Volumina von Beteiligungsgesellschaften zeigen für den Zeitraum 2000 bis 2019 eine deutliche Korrelation zwischen eingeworbenem Kapital und dem breiteren Marktumfeld: Je besser die Entwicklung an den öffentlichen Finanzmärkten, desto höher die in Private Equity investierten Volumina, und vice versa. In den letzten 20 Jahren haben sich die Kapitalzusagen damit lediglich in Krisenzeiten rückläufig entwickelt.

Private Equity – Raised Funds (in Mrd. US-Dollar)

Erhebung durch: Preqin, veröffentlicht: Januar 2020, Erhebungszeitraum: 2000 bis 2019

Fundraising: Konkrete Reaktionen von Limited Partnern auf die Ausbreitung des Coronavirus

Eben solch eine Krise stellt die Ausbreitung des Coronavirus zweifelsohne dar. Limited Partner (LPs) – die wichtigsten Kapitalgeber für jeden Private Equity Fonds – werden in den kommenden Monaten tendenziell den Kapitalerhalt sämtlichen Renditeerwartungen voranstellen.

Zum einen sind LPs häufig über Direkt- und Co-Investments selbst in Unternehmen investiert und werden hierfür Mittel zurückhalten wollen, um Direktbeteiligungen bei Bedarf mit zusätzlichem Kapital ausstatten zu können. Zum anderen unterliegen LPs in ihrer Rolle als Multi-Asset-Manager Beschränkungen, was die Kapitalallokation betrifft: fallen die Aktienkurse und damit der Wert der entsprechen Portfolios, steigt rein rechnerisch das Exposure in anderen Anlageklassen – dies gegebenenfalls über vordefinierte Quoten, so dass keine weiteren Investitionen in Private Equity mehr möglich sind. 

Ebenso können Limited Partner den Faktor Zeit für sich nutzen. Nicht nur lassen sich mit zunehmender Visibilität Risiken besser einschätzen, auch das Verhandeln von Management Fees und Carried Interest-Regelungen gestaltet sich vorteilhafter, wenn eine Kapitalverknappung eintritt.

Für derzeit laufende Fundraisings von Private Equity Fonds zeichnet sich also ein denkbar schlechtes Bild. Umso wichtiger ist es, die Beziehungen mit bestehenden LPs weiter zu stärken, um für eine Erholung nach der Krise eine starke Ausgangsposition zu schaffen. Hierfür ist vor allem ein starkes Krisenmanagement auf Portfolioebene und eine transparente Kommunikation gegenüber den LPs von entscheidender Bedeutung.

Welche Maßnahmen hierfür vornehmlich in Frage kommen, erläutern wir in unseren nächsten Blog-Einträgen.

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